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01.01.2006
News

Die innere molekulare Uhr

Schlagworte: Zukunftsmedizin

 

Forscher haben herausgefunden, dass in uns eine „molekulare Uhr“ tickt, die den Zellen vorschreibt, wie oft sie sich teilen können. Die so genannten Telomere, die Enden der Desoxyribonucleinsäure (DNS), fungieren als Schutzkappen. Bei jeder Zellteilung verkürzen sich die Telomere um ein kleines Stück. Haben sie eine kritische Länge erreicht, stoppt die Zellteilung. Dieser Vorgang betrifft die meisten Körperzellen. Nur wenige Ausnahmen verfügen über ein „Jungbrunnen-Enzym“ namens Telomerase. Dieser spezielle Biokatalysator ergänzt zum Beispiel in Keimzellen, Haut, Blutzellen oder im Magen-Darm-Trakt die fehlenden Fragmente an den Telomeren. Auch Krebszellen nutzen die Telomerase: Das Enzym ist in 90 Prozent aller Tumoren aktiv.

„Wird es einmal „angeschaltet“, könnten die Zellen potenziell ewig leben“, so Petra Boukamp vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Amerikanische Wissenschaftler haben die

 

 

Telomerase deshalb „“Unsterblichkeitsenzym“ getauft. Noch vor einigen Jahren glaubte man mit dieser „molekularen Uhr“ das Rätsel des Alterungsprozesses gelöst zu haben. Allerdings habe man die Telomere überschätzt. Denn die Schutzkappen auf dem Erbgut erklären zwar, warum sich Zellen nicht weiter teilen. Ob und wie Zellalterung und Stoffwechsel beeinflusst werden, bleibt dagegen offen.

Die Kosmetik-Industrie versucht, die Telomerase-Aktivität zu nutzen. So gibt es bereits eine Anti-Aging-Hautcreme, die damit wirbt, das begehrte Jungbrunnen-Enzym zu aktivieren. Petra Boukamp bezweifelt allerdings die spezifische Wirksamkeit. „Wenn unsere Daten stimmen, ist die Telomerase in der Haut aktiv, wir brauchen sie also nicht extra anzuschalten“. Andererseits ist auch das Abschalten essenziell, denn Unsterblichkeit hieße, dass Zellen mit verändertem Erbgut für immer erhalten blieben. Das würde vermutlich zu einer noch höheren Hautkrebsrate führen. Die Forscherin hofft, dass es eines Tages gelingt, die Lebensspanne von Hautzellen auf natürliche Weise zu verlängern, um gefahrlos beispielsweise großflächige Verbrennungen durch hauteigenes Gewebe abzudecken.

 

Quelle: Focus online – Januar 2006