WHI: Fettarme Diät allein reicht nicht
Schlagworte: ErnährungEine fettarme Ernährung schützt Frauen nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und den häufigsten Krebserkrankungen. Dies zeigten kürzlich die Ergebnisse der bisher größten randomisierten kontrollierten Studie zum Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit. Die im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA) publizierten Ergebnisse sind der zweite von drei Teilen der Women's Health Initiative (WHI). Hierin wurde untersucht, ob eine Senkung des Fettanteils in der Ernährung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie den beiden häufigsten Krebserkrankungen der Frau, Mammakarzinom und kolorektalem Karzinom, schützt.
An der Diätstudie beteiligten sich 48.835 postmenopausale Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren. Die Hälfte erhielt eine intensive Ernährungsberatung, deren Ziel eine Senkung des Fettanteils in der Nahrung auf 20 Prozent war.
Hinsichtlich der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen war die Wirkung gleich Null. Ein Rückgang der koronaren Herzkrankheit oder von Schlaganfällen war nicht einmal tendenziell zu verzeichnen. Hinsichtlich der Krebsprävention sind die Ergebnisse etwas differenzierter. Zwar wurde die Rate der Darmkrebserkrankungen nicht gesenkt, sie war sogar um nicht signifikante 8 Prozent höher. Eine Subgruppen-Analyse zeigte dann jedoch, dass Frauen, die Acetylsalicylsäure (ASS) einnahmen oder eine kombinierte Hormonbehandlung (Östrogen plus Gestagen) durchführten, etwas seltener an Darmkrebs erkrankten. Der Zusammenhang war jedoch nicht signifikant und die Ergebnisse sekundärer Analysen werden ohnehin mit Zurückhaltung bewertet. Außerdem war im Interventionsarm die Rate von Polypen und Adenomen, den Vorläuferläsionen des kolorektalen Karzinoms, um 9 Prozent vermindert. Es erscheint jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich bei einer längerfristigen Nachbeobachtung noch ein präventiver Effekt zeigen könnte.
Die Rate von Mammakarzinomen war im Interventionsarm um 9 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe. Die jährliche Inzidenzrate wurde durch die fettarme Diät von 0,45 Prozent auf 0,42 Prozent gesenkt, was statistisch nicht signifikant war.
Eine ausschließlich fettarme Ernährung scheint heute aus ernährungswissenschaftlicher Sicht überholt. Die Empfehlungen gehen eher in Richtung „mediterrane Kost”, die arm an gesättigten Fettsäuren wie Butter ist, dafür aber reichlich Pflanzenfette wie Olivenöl erlaubt.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt vom 08.02.06 - JAMA 2006; 295: 655-666


