Niedriges LDL schützt vor KHK
Schlagworte: Koronare HerzkrankheitenWer aufgrund spezifischer Genvarianten lebenslang einen relativ niedrigen LDL-Cholesterinwert hat, kann sich glücklich schätzen, denn das Risiko eine Koronarerkrankung zu entwickeln, ist äußerst gering. Ein Forscherteam aus Dallas hat kürzlich beim Menschen DNA-Sequenzvariationen eines Gens (PCSK9) entdeckt, die mit erniedrigten LDL-Cholesterinspiegeln assoziiert sind. Die Forscher sahen darin eine Chance, die Auswirkungen einer lebenslangen - weil genetisch bedingten - Cholesterinreduktion zu prüfen. In der ARIC-Studie haben die Wissenschaftler bei 12.887 schwarzen und weißen Amerikanern innerhalb eines Zeitraums von 15 Jahren in Abhängigkeit vom Gen-Typus die KHK-Entwicklung analysiert. Von den Afro-Amerikanern hatten 2,6 Prozent eine bestimmte PCSK9-Mutation; ihr LDL-Cholesterinspiegel war im Vergleich zu Personen ohne entsprechende Mutation um 28 Prozent niedriger (100 versus 138 mg/dl). Von den weißen Studienteilnehmern waren 3,2 Prozent Träger einer PCSK9-Genvariation, die mit einem um 15 Prozent erniedrigten LDL-Cholesterinspiegel assoziiert war (116 versus 137 mg/dl). Die Untersucher kamen zu dem Ergebnis, dass die Inzidenzrate für klinische KHK-Ereignisse in beiden Subgruppen mit PCSK9-Genvarianten dramatisch niedriger war - bei Afro-Amerikanern um 88 Prozent und bei weißen Amerikanern um 47 Prozent - jeweils im Vergleich zu Personen ohne entsprechende Genveränderungen. Dieser Unterschied in der KHK-Inzidenz ist deutlich ausgeprägter als die KHK-Reduktion, die mit Statinen bei gleicher Cholesterinsenkung in klinischen Studien erzielt wurde. Die Wissenschaftler vermuten, dass dies auf die Wirkung eines lebenslang erniedrigten - und nicht erst in späteren Lebensphasen gesenkten - Cholesterinspiegels zurückzuführen ist. Das würde dafür sprechen, möglichst bereits in frühen Jahren auf niedrige Cholesterinwerte zu achten.
Quelle: Ärzte-Zeitung vom 03.04.06 - NEJM 354, 2006, 1264


