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01.08.2006
News

Sport und Ernährung mindern genetisches Risiko bei Typ-2-Diabetes

Schlagworte: Diabetes

 

Mit dem erst jüngst beschriebenen TCF7L2-Gen auf dem Chromosom 10 ist isländischen Forschern offenbar ein Glücksgriff gelungen. Eine neue Studie im New England Journal of Medicine bestätigt die große Bedeutung des Gens und zeigt gleichzeitig, dass auch Genträger von den Modifikationen des Lebensstils profitieren, die seit der Publikation des Diabetes Prevention Programs (DPP) das Credo vieler Diabetologen sind.

Die vor mehr als 4 Jahren publizierten Ergebnisse des DDP haben eindrücklich belegt, dass Sport und eine gesunde Ernährung die Manifestation eines Typ-2-Diabetes mellitus hinauszögern, wenn nicht gar verhindern können. Eine Gewichtsreduktion um 5 bis 7 Prozent führte zu mehr als einer Halbierung der Diabetesmanifestationen innerhalb der knapp dreijährigen Studienphase. Insbesondere ältere Menschen könnten durch eine halbe Stunde forciertes Gehen am Tag und Obst und Gemüse statt Fastfood einen Diabetes verhindern.

Erst kürzlich hatte die Firma Decode Genetics, die mit Erlaubnis der isländischen Regierung das Erbgut der Inselbewohner analysiert, berichtet, dass einzelne Mutationen (so genannte single nucleotide polymorphism, SNP) im Gen für den „transcription factor 7-like 2“ (TCF7L2) auf dem Chromosom 10q25,3 etwa ein Fünftel aller Diabetes-Fälle erklärt. Das Gen TCF7L2 wird im Körper von vielen Zellen abgelesen. Es scheint insbesondere in der Entwicklung der Verdauungsorgane eine wichtige Rolle zu spielen. Vielleicht führe dies zu einer Störung der Beta-Zellen. Die genauen pathophysiologischen Zusammenhänge liegen zwar noch weitgehend im Dunkeln, schreiben die britischen Forscher. Nachweisbar ist jedoch, dass die Genträger eine verminderte Insulinsekretion haben, wie die Gruppe um Jose Florez vom Koordinierungszentrum der DDP in Rockville/Maryland jetzt berichten.

Die Forscher haben die Blutproben von 3.548 Teilnehmern des DDP auf die SNPs hin untersucht. Bei 40 Prozent der Teilnehmer fanden sie eine Kopie des Risiko-Gens (TC-Genotyp). Weitere 10 Prozent waren sogar homolog auf dieses Merkmal (TT-Genotyp). Wie erwartet, hatten die Teilnehmer mit TC-Genotyp ein deutlich (um 55 Prozent) erhöhtes Risiko auf einen Typ-2-Diabetes mellitus. Bei den Trägern des TT-Genotyps war das Risiko sogar um 80 Prozent erhöht. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass Menschen mit TC- oder TT-Genotyp einem unvermeidlichen, weil genetisch determinierten Schicksal entgegenstehen.

Eher das Gegenteil ist der Fall, wie die Pressemitteilung des National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases herausstellt. Der Einfluss der genetischen Prädisposition war unter Placebo sehr viel deutlicher ausgefallen als in den beiden Armen der Studie, die den Wert von Lebensstil (Diät und Bewegung) und Metformin untersuchten. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die Interventionen das genetische Schicksal abwenden können. Tatsächlich machte es im Lebenstilarm der Studie keinen Unterschied, ob die Patienten einen diabetogenen TT-Genotyp oder einen nicht-diabetogenen CC-Genotyp hatten. Der Vergleich der Kurven deutet sogar an, dass Menschen mit TT-Genotyp besonders gut von einer Änderung des Lebensstils profitieren, wie die Autoren hervorheben.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt vom 20.07.06 - (Nature Genetics 2006; 38: 320-323 - NEJM 2006; 355: 306-308 - NEJM 2006; 355: 241-250