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01.08.2006
News

Warnung vor Gefahren unkontrollierter chinesischer Naturheiltherapie mit Kräutern

Schlagworte: Naturheilverfahren

 

Chris Laing und Sally Hamour vom Whittington Hospital in London, Großbritannien und ihre Kollegen beschrieben jüngst im Lancet in einer Fallstudie die Diagnose und Behandlung eines 30 Jahre alten chinesischen Mannes, der im Juli 2003 mit Blut im Urin in ihre Nierenklinik eingewiesen wurde. Der Patient hatte über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren das chinesische Naturheilmittel Longdan Xieganwan eingenommen, um seine Leber zu stärken. Die Ärzte fanden heraus, dass der Patient einen Blasentumor hatte, der chirurgisch entfernt wurde. Er entwickelte jedoch immer wieder Tumoren in der Blase, obwohl er das chinesische Naturheilmittel nicht mehr einnahm. Inzwischen hat er ein Nierenversagen entwickelt. Bei der letzten Untersuchung im Juni 2006 bereitete er sich auf die Dialyse vor. Longdan Xieganwan enthält 'Caulis aristolochia manshuriensis'; ein aktiver Bestandteil davon ist Aristolochiasäure. Eine Studie stellte den Zusammenhang zwischen kumulativen Dosen von Aristolochiasäure über 200 Gramm und Blasenkrebs fest.

Dr. Laing und Dr. Hamour erklären: "Aristolochiasäure wurde in vielen Ländern verboten, ist jedoch noch über das Internet erhältlich. Dieser Fall zeigt die Bedeutung einer exakten Anamnese bezüglich Umwelteinflüssen und Ernährung bei uronephrologischen Erkrankungen und hebt die Gefahren unkontrollierter Naturheilkunde auf Kräuterbasis hervor."

In einem zugehörigen Leitartikel erklärt 'The Lancet', dass die potentiellen Vorteile indigener Naturheilkunde mit Kräutern nicht ignoriert werden sollten, jedoch ihre Effektivität bewiesen werden muss: "Alle komplementären Arzneien, haben - wie jedes Medikament - potenzielle Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Kontaminationen (besonders bei Kräuterprodukten). Sie alle benötigen eine Überprüfung als Medikamente. Auf diesem Gebiet arbeitende Ärzte müssen immer wieder daran erinnert werden, dass sie hochqualitative Daten zur Wirksamkeit produzieren müssen: aussagekräftige doppelt-blinde randomisierte Studien mit relevanten Endpunkten und ausreichender Nachuntersuchungszeit sowie systematische Reviews."

 

Quelle: Lancet 2006; 368: 338