Tabakgenuss in jeder Form schädlich fürs Herz
Schlagworte: GenussgifteRaucher haben ein durchschnittlich dreifach erhöhtes Herzinfarktrisiko. Dabei spielt es nach einer neuen Fall-Kontroll-Studie keine Rolle, ob sie Zigaretten, Pfeife, Bidis oder Havannas rauchen oder eine Wasserpfeife benutzen. Gelegentliche Raucher und Passivraucher sind ebenfalls gefährdet. Eigentlich sollten Raucher wissen, dass die Art und Weise, wie sie die toxischen Verbrennungsprodukte des Tabaks inhalieren, keinen Einfluss auf die Schädlichkeit haben kann. Dennoch ist die Ansicht verbreitet, dass ein Wechsel auf Shisha (arabische Wasserpfeife) oder Bidis (parfümierte indische Zigarette mit Tabak im Tendublatt und einem Bändchen versehen) vielleicht eine Fortsetzung ihrer Gewohnheit ermöglicht ohne jene Gefahren, über die man ständig in der Zeitung liest. Die jetzt publizierten Ergebnisse der INTERHEART-Studie lassen jedoch keine schadensfreie Nische.
Es handelt sich um die erste globale Fall-Kontroll-Studie zur Schädlichkeit des Rauchens. Eingeschlossen waren 15.152 Herzinfarkt-Patienten aus 52 Ländern, denen 14.820 Nicht-Infarkt-Patienten gegenübergestellt wurden. Alle möglichen Formen des Tabakkonsums, einschließlich des Kautabaks, waren bei den Infarkt-Patienten häufiger. Die Gruppe um Salim Yusuf vom Population Health Research Institute an der McMaster Universität in Hamilton/Ontario errechnet daraus die folgenden Odds Ratios (OR): Raucher erkrankten dreifach häufiger an einem Infarkt (OR 2,95, 95-Prozent-Konfidenzintervall 2,77-3,14), wobei eine klare Dosis-Wirkungsbeziehung besteht. Danach erhöht jede einzelne tägliche Zigarette das Infarktrisiko um 5,6 Prozent. Das gilt auch für die kleinen, aber hochdosierten Bidis: Personen, die eine bis 9 indische Zigaretten rauchen, haben ein 2-fach erhöhtes Risiko. Bei 9 bis 19 Bidis steigt die Odds Ratio auf 2,51, bei 20 oder mehr Bidis auf 3,99. Raucher von (konventionellen) Pfeifen oder Zigarren hatten in der Studie ein 3,3-fach erhöhtes Risiko, bei den Freunden der Shisha war das Risiko um den Faktor 2,16 erhöht. Wer zusätzlich zum Rauchen noch ab und zu priemt, hatte ein vierfach erhöhtes Risiko, selbst Kautabak allein verdoppelte das Infarktrisiko. Die Studie bestätigt außerdem einmal mehr die Gefahren des Passivrauchens: Wer eine bis 7 Stunden pro Woche exponiert ist, hat ein um 24 Prozent erhöhtes Infarktrisiko, es steigt dann dosisabhängig auf bis zu 62 Prozent bei 21 Stunden pro Woche.Die gute Nachricht ist, dass das Risiko nach dem Aufhören sinkt, wenn auch langsam. Schwere Raucher (mehr als 20 Zigaretten am Tag) haben noch 20 Jahre nach der letzten Zigarette ein um 20 Prozent erhöhtes Infarktrisiko. Bei leichten Rauchern (weniger als 10 Zigaretten am Tag) normalisiert sich das Risiko nach 3 bis 5 Jahren, es sei denn, die veränderten Ernährungsgewohnheiten haben andere Risikofaktoren wie den Cholesterinwert in die Höhe getrieben. In diesem Sinn dürften auch Schokoladenzigaretten nicht ohne Risiko sein.
Quelle: Lancet 2006; 368: 647-58 – Deutsches Ärzteblatt vom 18.08.06


