Formel zur Berechnung des Knochenbruchrisikos
Schlagworte: OsteoporoseMit einer einfachen Formel, die neben der Knochendichte auch klinische Faktoren berücksichtigt, konnten australische Mediziner das Frakturrisiko von älteren Menschen zu 75 Prozent vorhersagen. Ihren Fracture Risk (FRISK) Score stellen sie jetzt in Radiology (2006 241: 190-196) vor. Die meisten Osteoporose-Experten verlassen sich bei ihren Prognosen allein auf die Knochendichtemessung, die mit modernen Geräten sehr genau bestimmt werden kann. Ob ein älterer Osteoporose-Patient eine Fraktur erleidet, hängt jedoch nicht nur davon ab, wie viel Knochenmasse bereits verloren gegangen ist. Wichtig ist auch, wie viel Gewicht die Knochen tragen müssen und wie ungeschickt sich die Patienten im Alltag verhalten. So kann man die Prädiktoren erklären, die Margaret Joy Henry von der Universität Melbourne und Mitarbeiter in ihrer Studie gefunden haben: Neben der Knochenmineraldichte (BMD) im Femurhals und in der Wirbelsäule hing das spätere Frakturrisiko auch von der Zahl der Knochenbrüche im früheren Erwachsenenleben, von einem Fall-Score und vom Körpergewicht der Patienten ab. Diese Faktoren wurden zunächst durch einen Vergleich ermittelt zwischen 231 Frauen, die eine osteoporotische “low-trauma” Fraktur erlitten hatten, und 448 gleich alten Personen ohne Fraktur. Im zweiten Schritt wurde der FRISK-Score prospektiv in einer Longitudinalstudie überprüft. Hier wurden 600 Personen im Alter von median 74 Jahren über sechs Jahre beobachtet. Ergebnis: Das Risiko von Knochenbrüchen in den ersten beiden Jahren konnten durch den FRISK-Score zu 75 Prozent vorhergesagt werden. Interessanterweise steigt im FRISK-Score das Frakturrisiko mit dem Body Mass-Index an. Dies widerspricht einer weit verbreiteten Ansicht, nach der die „Fettpolster“ übergewichtiger Menschen im Alter einen gewissen Schutz vor Knochenbrüchen gewähren sollen, vielleicht auch weil die Östrogenproduktion in den Fettzellen den postmenopausalen Knochenabbau hemmt. Diese Ansicht wird durch das rein empirisch ermittelte Modell der australischen Radiologen nicht bestätigt.
Quelle: Radiology (2006 241: 190-196) – Deutsches Ärzteblatt vom 26.09.06


