Hormone allein sind zu wenig
Schlagworte: Anti-AgingBei Männern mit Hypogonadismus ist der Nutzen einer Testosteron-Therapie gut belegt. Bei älteren Männern ohne Hormonmangel kann jedoch weder eine Testosteron- noch eine DHEA-Substitution die Fitness oder die Lebensqualität verbessern, hat eine neue Studie ergeben. An der zweijährigen Doppelblindstudie in den USA beteiligten sich 87 Männer und 57 Frauen alle über 60 Jahre alt. Die Teilnehmer hatten zwar niedrige DHEA und Testosteron-Spiegel, doch bei den Männern war keine Testosteron-Substitution indiziert - der Gesamt-Testosteronwert lag im Schnitt zwischen 10 und 11 nmol/l. Von den Männern erhielt jeweils etwa ein Drittel täglich 75 mg DHEA oder 5 mg Testosteron über ein Pflaster oder Placebo. Die Frauen erhielten 50 mg DHEA oder Placebo. Bei der körperlichen Leistungsfähigkeit, der Muskelkraft und der Lebensqualität gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Bei den mit DHEA oder Testosteron behandelten Teilnehmern sank der Körperfettanteil leicht, auch die Knochendichte stieg geringfügig, jedoch nur an jeweils einem von insgesamt fünf Messpunkten des Skeletts: Die Dichte war am Oberschenkelhals bei Männern, nicht aber bei Frauen, mit DHEA um zwei Prozent und mit Testosteron um drei Prozent größer als mit Placebo. Bei Frauen, nicht aber bei Männern, erhöhte sich die Dichte des distalen Radius um zwei Prozent. DHEA müsse im Körper erst in Testosteron umgewandelt werden. Bei den oft übergewichtigen Männern, die sich zu wenig bewegen und oft zuviel Alkohol trinken, könne das die Leber oft nicht mehr leisten. Eine pharmakologische Therapie müsse daher mit Lebensstiländerungen kombiniert werden: tägliche Bewegung, weniger Alkohol, Ernährungsumstellung. Dadurch komme die körpereigene Testosteron-Produktion oft wieder in Gang. Nach einem Dreivierteljahr könne das Testosteron oft reduziert oder abgesetzt werden.
Quelle: NEJM 355, 2006, 1647 – Ärzte-Zeitung vom 30.11.06


