Traubensilberkerze ohne Wirkung gegen klimakterische Beschwerden
Schlagworte: Wechseljahre, MenopauseEine populäre Phytotherapie linderte in einer randomisierten kontrollierten Studie des US-National Institutes of Health klimakterische Beschwerden nicht besser als ein Placebo. Das National Center for Complementary and Alternative Medicine und das National Institute of Aging haben zu einer Form der Phytotherapie eine randomisierte kontrollierte Studie initiiert. An der „Herbal Alternatives for Menopause Trial“ (HALT) nahmen 351 Frauen im Alter von 45 bis 55 Jahren teil, die wenigstens 2 Episoden von Hitzewallungen pro Tag oder nächtliche Schweißausbrüche hatten. Etwa die Hälfte befand sich in der Perimenopause, die anderen hatten keine Menstruation mehr, wie die Autoren um Katherine Newton von den Group Health Cooperative Center for Health Studies in Seattle berichten. Zum Einsatz kam ein Extrakt aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), auch Wanzenkraut genannt. In dessen Wurzelstock wurden unter anderem Saponine nachgewiesen, Moleküle mit einem Steroidgerüst, denen hormonähnliche Wirkungen nachgesagt werden. Im zweiten Arm der Studie nahmen die Frauen Tabletten ein, die neben Traubensilberkerze noch neun weitere pflanzliche Stoffe enthielten. In der dritten Gruppe wurden diese Multi-Phyto-Präparate noch mit einer Ernährungstherapie gekoppelt, die die vermehrte Zufuhr von Sojaprodukten propagierte. Sojaprodukte enthalten ebenfalls hormonähnliche Substanzen, die bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden hilfreich sein könnten – es aber nicht waren. Bei allen drei Behandlungsansätzen waren die Ergebnisse nicht besser als im vierten Arm der Studie, in dem die Patientinnen Placebos einnahmen. Es gab eine Ausnahme: Nach 12 Monaten Therapie war die Symptomintensität unter der Kombination aus „Multi-Phytos“ plus Ernährungsberatung schlechter als im Placeboarm, was eher gegen diese Therapie spricht.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt v. 19.12.06 - Annals of Internal Medicine (2006; 145: 869-879)


