Risikogene für Typ-1-Diabetes mellitus und Morbus Crohn sowie fünf andere Erkrankungen entdeckt
Schlagworte: GenforschungDie Analyse des Erbguts von 17.000 Briten führte zur Entdeckung zahlreicher neuer Risikogene für sieben häufige Erkrankungen. Dabei traten ungewöhnliche Zusammenhänge zu Tage, etwa eine Verbindung zwischen Typ-I-Diabetes mellitus und Morbus Crohn.
Fortschritten in der Genchip-Technologie ist es zu verdanken, dass Forscher der Universität Oxford nur zwei Jahre benötigten, um bei 17.000 Briten nach genomweiten Assoziationen (GWA) zu suchen. Darunter waren 14.000 Briten, die an sieben häufigen chronischen Krankheiten litten sowie 3.000 gesunde Kontrollen. Die Analyse der Daten führte zur Entdeckung von einem Risikogen bei der bipolaren Erkrankung, einem Risikogen bei der koronaren Herzkrankheit, 9 Risikogenen beim Morbus Crohn, 3 Risikogenen bei der rheumatoiden Arthritis, 7 Risikogenen beim Typ-I-Diabetes mellitus und 3 Risikogenen beim Typ-II-Diabetes mellitus. Für 15 der 24 Risikogene war eine Assoziation bekannt, die anderen sind Neuentdeckungen. Eine Assoziation bedeutet, dass Personen mit einer Krankheit bestimmte genetische Varianten, die als single-nucleotide polymorphisms oder SNPs bezeichnet werden, häufiger aufweisen als Kontrollpersonen. Dies allein liefert noch keine Erkenntnisse über die Pathogenese der Erkrankung, sofern nicht bekannt ist, welche Funktion das Gen hat, in dem sich das SNP befindet. Die Menge der Risikogene sagt deshalb wenig über deren Qualität aus.
In einigen Punkten scheinen der Gruppe “echte” Entdeckungen gelungen zu sein, beispielsweise die von genetischen Gemeinsamkeiten zwischen Typ-I-Diabetes mellitus und dem Morbus Crohn. Beide Erkrankungen zählen zu den Autoimmunerkrankungen. Und bereits frühere Untersuchungen hatten auf die Bedeutung des PTPN2-Gens hingewiesen. Ein anderes Risikogen beim Morbus Crohn schärft die pathogenetischen Konzepte dieser entzündlichen Darmerkrankung. Die Genvariante setzt die Fähigkeit zur Autophagie herab. Darunter wird die Fähigkeit von Abwehrzellen verstanden, Bakterien aufzunehmen und im Zellinneren zu zerlegen, während bei der normalen Phagozytose die Bakterien außerhalb der Abwehrzellen zerlegt werden.
Quelle: Nature Genetics 2007; doi:10.1038/ng2061; Nature 2007; 447: 661-678 – Deutsches Ärzteblatt vom 07.06.2007


