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01.07.2007
News, Osteoporose/Knochen

Antidepressiva als Osteoporoserisiko

Schlagworte: Knochenabbau, Serotonin

 

Neue Untersuchungen haben ergeben, dass Serotonin auch im Knochen eine wichtige Rolle spielt. Viele Osteozyten exprimieren den Serotonin-Transporter, der von den SSRI gehemmt wird. Dies führte zu der Befürchtung, dass SSRI sich langfristig negativ auf den Knochenstoffwechsel auswirken könnten. Zwei jetzt publizierte Studien scheinen dies zu bestätigen.

 

In der Study of Osteoporotic Fractures, an der 2.722 ältere Frauen (Durchschnittsalter 78,5 Jahre) teilgenommen hatten, war zweimal eine Knochendichtemessung (BMD) durchgeführt worden, während sämtliche eingenommenen Medikamente aufgelistet wurden. Bei den Frauen, die SSRI einnahmen (7,3 Prozent in der Kohorte), sank der BMD-Wert in der Hüfte um 0,82 Prozent pro Jahr. Bei den Frauen, die dagegen mit trizyklischen Antidepressiva behandelt wurden (4,3 Prozent), betrug der Rückgang nur 0,47 Prozent pro Jahr. Um den gleichen Wert war die BMD bei jenen 88,4 Prozent der Frauen zurückgegangen, die gar keine Antidepressiva einnahmen.

 

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Analyse der Osteoporotic Fractures in Men Study. Teilnehmer waren hier 5.995 Männer (Durchschnittsalter 73,7 Jahre). Hier lagen Ergebnisse einer einmaligen Knochendichtemessung vor. Diese ergaben bei den SSRI-Anwendern (1,7 Prozent der Kohorte) eine um 5,9 Prozent niedrigere BMD im Bereich der Lendenwirbel und eine um 3,9 Prozent niedrigere BMD im Bereich der Hüfte. Auch hier hatten Anwender von trizyklischen Antidepressiva und Trazodon, einem weiteren Antidepressivum, keine niedrigeren BMD-Werte, was den möglichen Einwand entkräftet, Menschen mit Depressionen hätten häufig schon durch die Krankheit niedrigere BMD-Werte.

 

Ein Zusammenhang ist jedoch nicht ganz von der Hand zu weisen. Der Rückgang ist zudem klinisch relevant. In der Osteoporotic Fractures in Men Study war der Rückgang unter den SSRI genauso deutlich wie bei Männern, die mit Glukokortikoiden behandelt wurden.

 

Quelle: Arch Intern Med 2007; 167: 1240-1245 und 1246-1251 – Deutsches Ärzteblatt online, 26.06.2007