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01.07.2007
Gehirn/Demenz, News

Zeitungslesen, Stress und Alzheimer

Schlagworte: Demenzkrankheit

 

Senioren, die sich durch Zeitungslektüre, Schach oder andere anregende Tätigkeiten geistig fit halten, erkranken nach einer prospektiven Beobachtungsstudie seltener (oder später?) an Alzheimer. Nach einer weiteren Studie haben Stress und negative Emotionen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten. Ziel der Forscher des Memory and Aging Project ist es, Risikofaktoren für Demenzerkrankungen im Alter zu finden. Jedes Jahr beantworten die 1200 Teilnehmer Fragebögen zu ihren Lebensgewohnheiten, außerdem werden ihre kognitiven Fähigkeiten regelmäßig getestet.

 

Bisher entwickelten 90 Patienten eine Alzheimer-Demenz. Unter ihnen waren Personen, die in den letzten Lebensjahren kognitiv inaktiv waren, 2,6-fach häufiger vertreten als bei den Senioren, die bisher keinen Morbus Alzheimer entwickelten. Das bedeutet jedoch nicht, dass allein das Denken die Ablagerung von Amyloiden im Gehirn verhindern kann. Auch die Autopsien bisher verstorbener Teilnehmer ergab sich keine klare Korrelation der Neuropathologie mit der kognitiven Aktivität. Man könnte daher auch annehmen, dass die Erkrankung bei geistig regen Patienten später entdeckt wird, weil diese von einem hohen Niveau kommend den geistigen Verfall länger verbergen können. Denkbar ist auch, dass ein abnehmendes geistiges Interesse ein Frühzeichen einer beginnenden Demenz ist.

 

Ähnliche Einwände können gegen eine weitere Studie erhoben werden, die ergab, dass negative Gefühle wie Depressionen und Angstzustände das Risiko leichter kognitiver Störungen (Mild cognitive impairment, MCI) um 40 Prozent erhöhen. Denkbar ist jedoch auch, dass MCI und ein beginnender Morbus Alzheimer die Patienten anfälliger für Stressreaktionen und negative Gefühle macht, beispielsweise weil sie sich nicht mehr so verständigen können, wie sie dies gewohnt sind. Beobachtungsstudien können dieses Henne-Ei-Problem nicht lösen.

 

Quelle: Neurology 2007, doi:10.1212/01.wnl.0000271087.67782.cb; Neurology 2007; 68: 2085-2092 – Deutsches Ärzteblatt online, 28.06.2007