Parkinsonismus und Demenz nach prämenopausaler Oophorektomie
Schlagworte: Parkinson, Östrogen,Ein Östrogenmangel vor der Menopause könnte negative Auswirkungen auf das Gehirn haben, lassen zwei Fall-Kontroll-Studien vermuten. Sie zeigen, dass eine uni- oder bilaterale Oophorektomie vor der Menopause im späteren Alter das Risiko auf eine Demenz oder einen Parkinsonismus erhöht. Ein Team von der Mayo Clinic in Rochester hat die Daten des Rochester Epidemiology Projects analysiert. Seit einem Jahrhundert werden im Einzugsgebiet der Klinik im US-Staat Minnesota die Krankenakten archiviert. Zwischen 1950 und 1987 hatten sich 1.252 Frauen einer unilateralen Oophorektomie und 1.075 Frauen einer bilateralen Oophorektomie unterzogen. Indikationen waren die Entfernung von Zysten, eine Endometriose oder die Prävention eines Ovarkarzinoms. Ausgeschlossen von der Untersuchung waren hingegen Patientinnen, bei denen die Eierstöcke zur Behandlung eines Ovarialkarzinoms entfernt worden waren. Den Fällen wurde die gleiche Zahl von Kontrollen gegenübergestellt. Die Forscher durchsuchten die Krankenakten aller Frauen nach Hinweisen auf neurologische Erkrankungen. Sie interviewten alle noch lebenden Teilnehmerinnen und befragten die Angehörigen der bereits gestorbenen Frauen nach neurologischen Erkrankungen. Das Ergebnis: Die Entfernung einer oder beider Ovarien erhöht im Alter das Risiko auf einen Parkinsonismus um 68 Prozent. Die Assoziation war statistisch signifikant und für einen kausalen Zusammenhang spricht, dass das Risiko umso höher war, je jünger die Patientinnen bei der Oophorektomie waren. Die Assoziation bestand unabhängig von der Indikation für die Oophorektomie und unabhängig davon, ob sie unilateral oder bilateral durchgeführt wurde. Wie ein Östrogenmangel vor der Menopause einen Parkinsonismus auslösen könnte, ist völlig unklar. Die Wissenschaftler selbst fordern Bestätigung durch weitere Studien, bevor weiter reichende Konsequenzen gezogen werden. In der Women’s Health Initiative-(WHI)-Studie war unter anderem herausgekommen, dass die Einnahme von Östrogenen nach der Menopause einen negativen Einfluss auf das Gedächtnis hat und das Risiko einer Demenz steigert. Die Forscher spekulieren deshalb, dass es möglicherweise ein therapeutisches Fenster für die Gabe von Östrogenen geben könnte.
Quelle: Neurology (2007; doi:10.1212/01.wnl.0000280573.30975.6a und 0000276984.19542.e6 – Ärzteblatt Online 30-.08.2007


