Was sich mit Lifestyle-Modifikation alles erreichen ließe
Schlagworte: Typ-2-DiabetesMenschen mit gestörter Glukose-Toleranz weisen ein hohes Risiko für Typ-2-Diabetes auf. Deshalb wurden in zahlreichen Studien mögliche Präventivmaßnahmen untersucht. In Großbritannien führte man jetzt eine Metaanalyse durch, um die Effektivität von pharmakologischen und Lifestyle-Interventionen zu qualifizieren. Die Autoren trugen randomisierte, kontrollierte Studien zusammen, die von 1966 bis 2006 den Einfluss von Präventivmassnahmen auf die Manifestation eines Typ-2-Diabetes geprüft hatten. Die Intervention bestand entweder in Veränderung des Lebensstils (Diät und/oder körperliche Aktivität) oder in Pharmakotherapie mit oralen Antidiabetika, Orlistat oder einer chinesischen Kräutermedizin (Jangtan Bushen). Mithilfe der gepoolten Hazard Ratios (HR) aus der Metaanalyse und den gepoolten Typ-2-Diabetes-Risiken aus den Kontrollgruppen wurde abgeschätzt, welchen Unterschied die einzelnen Interventionen bei der kumulativen Diabetes-Inzidenz während einer Zeit von fünf Jahren machen würden. 17 Arbeiten mit insgesamt 8084 Probanden wurden in die Metaanalyse aufgenommen. Als Typ-2-Diabetes galt ein BZ von mindestens 200 mg/dl zwei Stunden nach Glukosebelastung mit 75 mg sowie ein Nüchtern-BZ von mindestens 140 mg/dl (in sieben neueren Studien von 126 mg/dl). Eine gestörte Glukose-Toleranz war definiert als ein Spiegel von 140 bis 200 mg/dl zwei Stunden nach Belastung. Sämtliche Metaanalysen lieferten überzeugende Beweise für die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Verhütung oder Verzögerung eines Typ-2-Diabetes: Für die Lifestyle-Intervention ergab sich ein HR von 0,51. Bei getrennter Bewertung von Diät und körperlicher Aktivität und deren Kombination war die Risikoreduktion ähnlich. Orale Antidiabetika zeigten einen HR von 0,70. Orlistat wies einen HR von 0,44 auf. Das Ergebnis bei den chinesischen Kräutern war nicht signifikant. Für die Interventionen errechnete man absolute Differenzen in der Diabetes-Inzidenz gegenüber den Kontrollgruppen mit einer Erkrankungsrate von 37,1 Prozent. Es ergab sich eine Reduktion um 15,8 Prozent für Lifestyle-Interventionen, ein Rückgang von 9,3 Prozent der Manifestationen für orale Antidiabetika und um 18,4 Prozent für Gabe von Olistat. Lifestyle-Interventionen sind als Präventivmassnahme für Typ-2-Diabetes bei Personen mit gestörter Glukose-Toleranz also mindestens ebenso effektiv wie pharmakologische.
Quelle: BMJ 2007; 334: 299-302 – Praxis Depesche 15 / 2007


