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01.10.2007
Hormone, News, news***

Hormonersatztherapie bei Ärzten rehabilitiert

Schlagworte: Hormonersatztherapie, HRT

 

Fünf Jahre nach den verstörenden ersten Ergebnissen der WHI-Studie und pünktlich zum Weltmenopausetag (18.10.) hat die International Menopause Society (IMS) die Datenlage reevaluiert und sieht für die Hormonersatztherapie bei früh-zeitigem Beginn mit möglichst niedriger Dosierung ein günstiges Sicherheitsprofil.

 

Nach einer Umfrage bei 600 Fachärzten in fünf EU-Ländern und den USA ist das Vertrauen in die differenzierte Hormon-ersatztherapie zur Behandlung nicht verloren – im Gegenteil: 96 Prozent von 600 Befragten würden sich oder ihren Familien-mitgliedern bei entsprechender Symptomatik nach wie vor Hormone verordnen, um die eingeschränkte Lebensqualität zu normalisieren.

Die jüngsten Auswertungen der Women´s Health Initiative (WHI) haben für den Präsidenten der IMS, Dr. Amos Pines, Tel Aviv, gezeigt, wie wichtig der Altersfaktor - der Start einer Therapie - beim Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse ist: Die Hormon-therapie in der frühen Postmenopause steigert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht, wie die Ergebnisse bei 50 - 59-jährigen Frauen zeigen.

Die Gesellschaft hat deshalb in einer konzertierten Aktion die länderspezifischen Gesundheitsbehörden zum Weltmeno-pausetag aufgefordert, die pauschalen Einschränkungen bei der

 

 

 

Verordnung von Hormonpräparaten aufzuheben und an die neue Datenlage anzupassen.

 

Kein erhöhtes Thromboserisiko bei transdermalen Estrogenen

 

Für Dr. David Sturdee aus Birmingham erfordert auch das Thromboserisiko eine differenzierte Sicht. Es steigt sowohl mit dem Alter an – aber auch bei der Gabe oraler Präparate. Bei transdermaler Zufuhr von Estrogenen dagegen laufen selbst Risikopatientinnen, bei denen eine Hormonersatztherapie zwar die Ausnahme bleiben sollte, keine verstärkte Gefahr, wie die französische ESTHER-Studie ausweist. Traditionell werden in Frankreich transdermale Estrogen-präparate wie Gele (etwa Gynokadin® Dosiergel) und natürliches Progesteron als Gestagenkomponente bevorzugt.

 

Früher Beginn ist wichtig

 

Zusätzlich plädierte der Referent dezidiert dafür, die Risiken der Hormone in Relation zu sehen: „Wenn die Hormonersatztherapie bei symptomatischen Frauen in der frühen Postmenopause begonnen wird, haben sie durch die Behandlung kein höheres Brustkrebsrisiko (HR 1,26) als eine Frau, die im Alter von über 30 Jahren erstmals schwanger wird (HR 1,46).“

Diese Sachverhalte scheinen den betreuenden Fachärzten durchaus bewusst zu sein, wie die Umfrage der IMS bei 600 Fachärzten nahe legt. Die Empfehlung, bei der Hormontherapie generell die niedrigste wirksame Dosis einzusetzen, stieß auf breite Zustimmung. Am deutlichsten ausgeprägt war diese Einschätzung hinsichtlich der Gestagene in Schweden. Bei der Estrogen-Komponente sehen vor allem polnische und französische Gynäkologen die niedrige Dosierung als wichtig an.

 

Gelform ideal zum Titrieren der minimal effektiven Dosis von Estrogenen

 

Wie Professor Martin Birkhäuser aus Bern ausführte, liegt der „untere Schwellenwert“ für orales Estradiol bei 0,5 mg/die, für Pflaster bei 25 µg/die und beim Gel sind selbst mit niedrigeren Dosen Effekte auf die Symptome nachgewiesen. Er empfahl eine individuelle Anpassung, bei der die niedrigste effektive Dosis „titriert“ wird. Dies ist in der täglichen Praxis am einfachsten umzusetzen mit einem Dosiergel – jede Frau kann die notwendige Dosis anhand der zurückgehenden Symptome sehr einfach selbst herausfinden. Dies ist auch beim Ausschleichen der Behandlung vorteilhaft. Es besteht jedoch kein Konsens, ob eine Hormontherapie graduell zurückgenommen wird oder aber abrupt abzusetzen ist.

 

Keine vorschnellen Rückschlüsse beim Brustkrebs-Rückgang

 

Als vorschnellen Rückschluss wertete Sturdee das Postulat eines kausalen Zusammenhangs zwischen dem Rückgang der Hormonverordnungen und einer reduzierten Inzidenz von Brustkrebs in den USA: Einerseits habe der Rückgang der Brustkrebsfälle in den USA bereits vor der Publikation der WHI begonnen und andererseits zeige sich in Großbritannien keine vergleichbare Reduktion – trotz einem ähnlich starken Rückgang der Verschreibung von Hormonen.

 

Quelle:

Pressekonferenz der International Menopause Society:

HRT and the Menopause: Time for Re-Evaluation, Zürich, 9. Oktober 2007