Wenn die Guten zu Bösen werden
Schlagworte: Herzkrankheiten, cholesterinHDL-Cholesterin schützt nicht immer vor Herzkrankheiten, sondern kann auch schädlich sein. Das vermuten amerikanische Forscher, die die genaue Zusammensetzung des HDL-Cholesterins untersucht haben. Dabei entdeckten sie Bestandteile, die den ansonsten positiven Wirkungen des HDLs entgegenwirken. Besonders Herzinfarktpatienten besaßen ungewöhnlich viele dieser schädlichen Eiweiße. Das könnte erklären, warum hohe HDL-Spiegel im Blut nicht alle Menschen vor Herzerkrankungen schützen. Im Blut transportieren Fett-Eiweiß-Aggregate, die so genannten Lipoproteine, das wasserunlösliche Cholesterin. Da das Lipoprotein HDL überschüssiges Cholesterin zur Leber transportiert und es somit aus dem Blut entfernt, gilt es auch als "gutes" Cholesterin. Die Forscher konnten nun erstmals nachweisen, aus welchen Eiweißen dieses Lipoprotein besteht. Insgesamt entdeckten sie 48 Proteine, 13 davon erstmals in HDL. Ein Teil der Eiweiße könnte eine bislang unbekannte Rolle bei der Vorbeugung von koronaren Herzkrankheiten spielen. Andere Bestandteile haben hingegen möglicherweise schädliche Effekte. Bei Menschen, deren Herzkranzgefäße bereits krankhaft verändert waren, enthielt das HDL-Cholesterin besonders viele der schädlichen Eiweiße. Am Beispiel dieser Patienten konnten die Forscher zeigen, dass so genannte freie Radikale die Proteine im HDL angegriffen hatten. Solche Veränderungen in der Eiweißzusammensetzung des HDLs könnten die Entstehung von Herzerkrankungen beeinflussen, vermuten die Forscher. Bislang hatten Wissenschaftler gehofft, Medikamente, die die HDL-Spiegel im Blut erhöhen, könnten den Menschen vor Herzinfarkten schützen. Eine Studie mit einem entsprechenden Wirkstoff musste der Hersteller jedoch abbrechen, da das Medikament das Risiko für Herzprobleme erhöht hatte. „Es scheint nicht auszureichen, einfach nur die HDL-Spiegel zu erhöhen", vermutet der Leiter der Studie. Eine Behandlung müsse auch auf die richtigen HDL-Bestandteile abzielen.
Quelle: Jay Heinecke (Universität von Washington in Seattle) et al.: Beitrag auf dem Jahrestreffen der American Chemical Society, Boston – wissenschaft.de, 23.08.2007


