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02.02.2008
Herz-Kreislauf, Nahrungsergänzung, News

Mehr Herzinfarkte?

Schlagworte: Kalziumsubstitution, Kalzium, Supplementierung

 

In einer randomisierten kontrollierten Studie führte die Einnahme von Kalziumsupplementen bei älteren Frauen zu einer Häufung von Herzinfarkten und anderen kardiovaskulären Ereignissen. Die neuseeländische Calcium Fracture Study war ursprünglich mit dem Ziel durchgeführt worden, die präventive Wirkung von Kalzium auf osteoporotische Frakturen zu untersuchen. Über fünf Jahre waren 1.471 Seniorinnen (mittleres Alter 74 Jahre) auf die Einnahme von täglich einem Gramm Kalziumzitrat oder einem Placebo randomisiert worden. Das Ergebnis war nur durchschnittlich: Die Kalziumsubstitution verminderte zwar die Abnahme der Körpergröße, die Rate der Knochenbrüche wurde jedoch nicht signifikant gesenkt. Unterarmbrüche traten sogar vermehrt auf. Anlass für die erneute Auswertung der Daten waren Ergebnisse aus anderen Studien, wonach Kalzium eine günstige Auswirkung auf das Verhältnis von HDL-Cholesterin zu LDL-Cholesterin hat, was eine mögliche Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen nahe legte. Diese Hoffnung hat sich in der neuen Analyse jedoch nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Einnahme von Kalzium erhöhte das Risiko von Herzinfarkten und anderen kardiovaskulären Ereignissen. Unter der Kalziumsubstitution kam es bei 31 Frauen zu 45 Herzinfarkten gegenüber 19 Herzinfarkten bei 14 Frauen im Placebo-Arm. Dies stellt bei einem relativen Risiko von 2,24 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,20-4,17) mehr als eine Verdopplung des Risikos dar. Die Forscher überprüften die Angaben der Frauen in den Klinikakten. Das relative Risiko sank danach auf 2,12 (1,01-4,47). Anschließend recherchierten sie in einem nationalen Klinikregister nach Herzinfarkten, von denen die Patientinnen nicht berichtet hatten: Das relative Risiko sank dadurch auf 1,47 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,86-2,57 statistisch nicht mehr signifikant. Neben den Herzinfarkten war auch die Zahl der Schlaganfälle und der plötzlichen Todesfälle erhöht. Der Composite-Endpunkt aus den drei Ereignissen war in der Analyse, die auf den Patientenangaben beruhte, um 66 Prozent erhöht (Relatives Risiko 1,66; 1,15-2,40). Das relative Risiko sank nach Überprüfung der Krankenakten auf 1,47 und nach Auswertung des Klinikregisters auf 1,21. Die letzten beiden relativen Risiken waren statistisch nicht signifikant. Dies bedeutet nach Ansicht der Wissenschaftler jedoch nicht, dass die Ergebnisse ignoriert werden können. Dagegen spricht die in der Überlebenskurve erkennbare Tendenz, nach der das erhöhte Herzinfarktrisiko erst nach etwa drei Jahren erkennbar wurde, sich danach aber kontinuierlich vergrößerte. Dies ließe sich so erklären: Kalzium hat keine unmittelbar negativen Auswirkungen auf das Herz. Die langsame Einlagerung des Minerals in atherosklerotische Plaques könnte jedoch mittelfristig das Risiko von Herzinfarkten und anderen kardialen Ereignissen erhöhen.

 

Quelle: American Journal of Medicine 2006; 119: 777-785 – www.aerzteblatt.de