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01.03.2008
Gehirn/Demenz, News

Psycho-Stress erhöht das Risiko

Schlagworte: Schlaganfall

 

Depressionen sind, anders als viele Psychologen bisher annahmen, kein Risikofaktor für einen Schlaganfall. Dagegen war ein vermehrter Negativ-Stress in einer prospektiven Beobachtungsstudie signifikant mit späteren Schlaganfällen assoziiert. Wenn viele Schlaganfallpatienten unter depressiven Verstimmungen leiden, dann ist dies eher die Folge des Insults als deren Ursache, so Forscher der Universität Cambridge. Diese haben die Daten der englischen Kohorte der „European Prospective Investigation into Cancer“, besser bekannt unter dem Akronym EPIC, untersucht. An dieser Studie zum Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf Krebserkrankungen beteiligten sich mehr als 30.000 Einwohner der Grafschaft Norfolk im Alter von 41 bis 80 Jahren. Sie füllten bei der Eingangsuntersuchung auch Fragebögen aus, mit denen mentale Störungen erfasst werden können. Dazu gehörte ein Mental Health Inventory (MHI-5-Test), der Teil des bekannten SF-36-Fragebogens zur Lebensqualität ist. Von den 20.627 Teilnehmern, die vor Beginn der Studie ohne Schlaganfall waren, erlitten in den folgenden durchschnittlich 8,5 Jahren der Nachbeobachtung 595 einen Schlaganfall. Eine Assoziation mit Mayor-Depressionen in der Vorgeschichte bestand nicht. Wohl aber erlitten Personen, die im MHI-5-Test einen vermehrten psychologischen Stress angegeben hatten, signifikant häufiger einen Schlaganfall. Diese Assoziation blieb auch nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren bestehen wie Rauchen, systolischer Blutdruck, Cholesterinwert, Adipositas, frühere Herzinfarkte, Diabetes mellitus, soziale Schichtzugehörigkeit, Erziehung, Hypertoniebehandlung, Schlaganfälle in der Familie oder frühere Anwendung von Antidepressiva. Laut den Forschern steigt mit jeder Einheit der statistischen Standardabweichung das Risiko auf einen Schlaganfall um elf Prozent. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall beträgt 0 bis 22 Prozent und „streift“ damit das Signifikanzniveau. Das wichtigste Ergebnis der Studie dürfte darin bestehen, dass es die Hypothese, nach der Depressionen einen Schlaganfall begünstigen, endgültig ausschließt.

 

Quelle: Neurology 2008; 70: 788-7949