Ursache für Depressionen in hohem Alter?
Schlagworte: Testosteron, DepressionEin niedriger Testosteronspiegel war in einer Studie bei hochbetagten Männern mit einem deutlich erhöhten Risiko von Depressionen assoziiert. Studien, die eine Hormonersatztherapie in dieser Indikation rechtfertigen würden, gibt es allerdings nicht. Bei allen Männern lässt im Alter die Bildung von Testosteron in den Gonaden nach. Die Serumkonzentrationen sinken pro Jahr um ein bis zwei Prozent. Es gibt jedoch Unterschiede, so dass einige Männer im hohen Alter eher als andere einen Hypogonadismus entwickeln. Forscher von der Universität Perth hatten an einer Gruppe von 3.987 Männern im Alter von 71 bis 89 Jahren untersucht, ob ein niedriger Testosteronspiegel im Blut mit einer erhöhten Rate von Depressionen assoziiert ist. Dies war tatsächlich der Fall. Das Fünftel der Männer mit den niedrigsten Testosteronspiegeln hatte ein um 55 Prozent erhöhtes Risiko für eine Depression, die mit dem Geriatric Depression Scale erfasst wurde (Relatives Risiko 1,55: 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,91-2,63). Beim für die Wirkung relevanteren freien Testosteronspiegel war das Risiko im unteren Fünftel sogar um den Faktor 2,71 erhöht. Hier war die Assoziation bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,49-4,93 auch statistisch signifikant. Diese Zahlen berücksichtigen bereits den Umstand, dass die Senioren mit Depressionen häufiger rauchten, ein niedriges Bildungsniveau hatten, eher übergewichtig waren und häufiger eine Demenz oder Begleiterkrankungen hatten. Ob vor diesem Hintergrund eine Behandlung mit Testosteron sinnvoll (wirksam und sicher) ist, dürfte vielfach bezweifelt werden. Randomisierte kontrollierte Studien, in denen die Vorteile und Risiken einer solchen „Substitution“ im hohen Alter untersucht wurden, gibt es offenbar noch nicht.
Quelle: Archives of General Psychiatry 2008; 65: 283-289


