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01.03.2008
Ernährung, News, news***, Tipp

Weniger ist manchmal mehr

Schlagworte: Länger leben durch Kalorienrestriktion

 

Halb so viel essen, doppelt so lange leben – das funktioniert bei Nagern. Was Kalorienbeschränkung beim Menschen bewirkt, trugen Forscher in einer Übersicht über epidemiologische und klinische Studien von 1966 bis 2006 zusammen. Die einzigen Säugetiere, bei denen Kalorienrestriktion nachweislich das primäre Altern verlangsamt und die maximale Lebensspanne erhöht, sind Ratten und Mäuse. 30 – 60 Prozent weniger Kalorien als bei Ad-libitum-Ernährung verlängert ihr Leben um dieselbe Größenordnung. Außerdem zeigten die hungernden Tiere eine geringere Neurodegeneration. Man führt den Effekt hauptsächlich auf das Ausbleiben chronischer Krankheiten (sekundäres Altern) wie z.B. Diabetes, Herz- und Gefäßleiden und Autoimmunerkrankungen sowie Krebs zurück. Als molekulare Mechanismen werden diskutiert: Geringere Produktion reaktiver Sauerstoffspezies, Modulation des antioxidativen und des Immunsystems, weniger T3 und sympathische Aktivität mit Senkung von Körpertemperatur und Grundumsatz, geringere Plasmaspiegel an Entzündungsmediatoren und erhöhte Produktion neurotropher Faktoren. Etabliert sind die Risikofaktoren für Krankheiten, die das sekundäre Altern beschleunigen. Das zeigte u.a. das „Biosphere 2“-Experiment. Die acht Männer und Frauen waren in ihrer völlig abgeschlossenen Welt einer Nahrungsknappheit ausgesetzt, nahmen für 18 Monate statt 2500 kcal nur noch gut 1900 kcal täglich zu sich. Die – unfreiwillige – Restriktion um ca. 22 Prozent senkte ihren BMI von 23 auf 19 kg/m2, und besserte metabolische Risikofaktoren wie Lipidprofil und Blutdruck. Genauere Daten lieferten in mehreren Studien Mitglieder der „Calorie Restriction Society“: Für durchschnittlich 6,5 Jahre nahmen sie rund 30 Prozent weniger Energie zu sich als vergleichbare Normalbürger. Berichtet wurde über bessere Blutdruck- und Lipidwerte, erhöhte Insulinsensitivität, niedrigere Entzündungsmediatoren, Wachstumsfaktoren und Trijodthyronin. Die linksventrikuläre Funktion „verjüngte“ sich um 16 Jahre. Die Autoren bilanzieren, dass die verfügbaren Daten keine Verlängerung der maximalen Lebensspanne beim Menschen durch Kalorienrestriktion belegen. Wohl aber reduziert sie chronische Erkrankungen und bessert den Metabolismus. Die „optimale“ Energiezufuhr bleibt aber weiter eine Fiktion, denn das energetische Optimum variiert von Mensch zu Mensch. Sehr schlanken Personen kann eine Kalorienbegrenzung sogar schaden.

 

Quelle: JAMA 2007; 297: 986-994