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01.07.2008
Herz-Kreislauf, News

Blutdruckmedikamente bei Frauen weniger protektiv

Schlagworte: Antihypertonika, Blutdruck

 

Auch wenn Antihypertonika bei Männern und Frauen den Blutdruck gleich stark senken, kann die protektive Wirkung auf das Herz bei Frauen deutlich geringer ausfallen als bei Männern, wie eine Studie belegt. Die linksventrikuläre Hypertrophie gehört zu den ersten sichtbaren Organschäden einer chronischen Hypertonie. Die Diagnose kann mithilfe des EKGs gestellt werden, bei dem die Zunahme der Herzmuskelmasse zu einem Anstieg der R- und S-Zacken führt. Erfasst wird dies durch den Sokolow-Lyon-Index oder auch mit dem Cornell Product, das neben der Höhe der R-und S-Zacken auch die QRS-Dauer berücksichtigt. Wissenschaftler von der Cornell Universität in New York haben mithilfe der beiden Parameter nach geschlechtsspezifischen Unterschieden der antihypertensiven Therapie gesucht. Sie bedienten sich dabei der Daten der LIFE-Studie, bei deren Teilnehmern mehrmals EKGs angefertigt wurden. Tatsächlich zeigten sich geschlechtsspezifische Unterschiede. Der Sokolow-Lyon-Index nahm während der fünfjährigen Therapie bei Frauen um 3,6 mm ab, bei Männern waren es minus 4,1 mm. Eine Reduktion des Sokolow-Lyon-Index war bei Frauen um 15 Prozent weniger wahrscheinlich (95-Prozent-Konfidenzintervall fünf bis 23 Prozent) als bei Männern. Noch deutlicher waren die Unterschiede im Cornell Product. Es nahm bei Männern um 276 mm x ms ab, bei Frauen dagegen nur um 137 mm x ms. Die Wahrscheinlichkeit für eine Reduktion der linksventrikulären Hypertrophie war bei Frauen um 32 Prozent geringer (95-Prozent-Konfidenzintervall 24 bis 39 Prozent). Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede bestanden unabhängig von der antihypertensiven Wirkung der Medikamente. Sie könnten nach Ansicht der Herausgeber erklären, warum hypertensive Frauen im Alter häufiger an einem Herzinfarkt erkranken als Männer.

 

Quelle: Hypertension 2008; 52: 100-106 und 59-60 - Ärzteblatt Online, 02.07.2008