Geschäftsstelle: Vallstedter Weg 114A, 38268 Lengede, Deutschland | Tel.: +49 (0) 5344 - 80 33 70 | Fax: +49 (0) 5344 - 80 33 71 | gst@gsaam.de
Sie sind hier:NewsArchiv
02.02.2009
Gehirn/Demenz, News

Ruhiges Gemüt und Extrovertiertheit können schützen

Schlagworte: Demenz

 

Ein niedriger Neurotizismus, gepaart mit einer extrovertierten Persönlichkeit, halbiert einer prospektiven Beobachtungsstudie zufolge das Risiko, an einer Altersdemenz zu erkranken. Forscher des Karolinska Institut in Stockholm begleiten seit 1987 eine Gruppe älterer Menschen. Dabei interessieren sich auch für den Einfluss der Persönlichkeit und des Lebensstils auf das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Zu Beginn der Studie hatten die 508 Teilnehmer einen Fragebogen zum Eysenck Persönlichkeits-Inventar ausgefüllt. Der deutsch-britische Psychologe Hans Jürgen Eysenck (1916 - 1997) hatte den Neurotizismus als eine von drei wesentlichen Persönlichkeitseigenschaften definiert (neben Introversion versus Extraversion und „Psychotizismus“). Neurotizismus beschreibt eine labile ängstliche Persönlichkeit, die zu Nervosität und Neurosen neigt und wenig stressresistent ist. Das Gegenteil bilden Menschen, die eine innerliche Ruhe und Selbstzufriedenheit ausstrahlen, und auch in Stressreaktionen nicht gereizt reagieren. Dieses Merkmal eines „niedrigen Neurotizismus“ war in der Studie mit einem um 50 Prozent verminderten Risiko assoziiert, in den folgenden sechs Jahren an einer Demenz zu erkranken. Auch dann, wenn die Person zurückgezogen lebte und nicht aktiv am Gesellschaftsleben teilnahm. Ebenfalls zu 50 Prozent seltener erkrankten Menschen mit niedrigem Neurotizismus, wenn dieser gepaart war mit einer extrovertierten Persönlichkeit. Die Forscher vermuten, dass die mit einem hohen Neurotizismus einhergehende Stressbereitschaft eine Demenz begünstigt. Eine direkte Wirkung der Stresshormone auf das Gehirn, insbesondere den Hippocampus, soll für die pathogenetische Verbindung verantwortlich sein. Eine Beobachtungsstudie kann allerdings keine Kausalität herstellen. Genauso gut könnten Neurotizismus und Extrovertiertheit als Frühsymptom einer beginnenden Demenzerkrankung gedeutet werden. Sie wären dann der Versuch der Patienten, die langsam einsetzende Gedächtnisstörung zu verarbeiten.

 

Quelle: Neurology 2009; 72: 253-259 – www.aerzteblatt.de, 20.01.2009