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01.08.2005
News

Kein erhöhtes Brustkrebsrisiko durch Hormone?

Schlagworte: Hormontherapie

 

Laut einer neuen Studie erhöht die Hormontherapie doch

 

nicht das Brustkrebsrisiko. Die Wissenschaftler um den Charité-Pathologen Professor Dr.

 

Manfred Dietel bezweifeln in einem wissenschaftlichen Aufsatz, dass Östrogene und Gestagene

 

tatsächlich Brustkrebs auslösen und widersprechen damit ausdrücklich früheren Großstudien

 

(2002 Women’s Health Initiative und 2003 Million Women Study), die einen klaren Zusammenhang

 

zwischen der Hormontherapie und der Entstehung von Mammakarzinomen ergeben hatten. “Die

 

Hormontherapie hat keinen Einfluss auf die primäre Neubildung von Brustkrebs”, bilanzierte

 

der Erstautor Manfred Dietel. “Die Daten lassen nur den Schluss zu, dass die Hormone das

 

Wachstum bereits vorhandener hormonsensitiver Brusttumoren stimulieren.” Im Kernpunkt der

 

methodenkritischen Betrachtung von Manfred Dietel und den Gesundheits-systemforschern

 

Michael Lewis und Samuel Shapiro stehen die Gesetzmäßigkeiten der Tumorbiologie. So steht

 

fest, dass die erste Tumorzelle nach ihrer Bildung einen Zeitraum von mindestens fünf, wenn

 

nicht gar zehn Jahre benötigt, um über Zellteilung auf eine Tumormasse von 0,5 bis einem

 

Zentimeter Durchmesser anzuwachsen. Ab dieser Größe können Brusttumoren bei der Mammographie

 

überhaupt erst entdeckt werden. Studien, die ein erhöhtes Krebsrisiko bei der Einnahme von

 

Hormonen feststellten, haben jedoch lediglich Untersuchungs-zeiträume zwischen einem und

 

sechs Jahren zugrunde gelegt. “Diese Zeiträume sind zu kurz, um tatsächlich Rückschlüsse auf

 

einen Zusammenhang zwischen der Neubildung eines Brusttumors und der Einnahme von Hormonen

 

ziehen zu können”, so Manfred Dietel.

Auch eine jüngste australische Studie

 

attestiert, dass eine Hormonsubstitution nach der Menopause das kumulative Risiko, an

 

Brustkrebs zu erkranken, nur gering erhöhe. Dies berichteten Nathan Coombs und Mitarbeiter

 

vom News South Wales Breast Cancer Institute, Sydney/Australien im British Medical Journal

 

(2005; 331: 347-9). In der Studie wurde ein kumulatives Brustkrebsrisiko bis zum 79.

 

Lebensjahr für eine 50-jährige Frau ohne Hormonsubstitution von 6,1 Prozent errechnet. Bei

 

einer fünf Jahre dauernden Östrogengabe erhöht sich das Risiko auf 6,3 Prozent, bei einer

 

Kombinationstherapie (Östrogen und Gestagen) auf 6,7 Prozent. Wenn ab dem 50. Lebensjahr 15

 

Jahre lang eine Kombinationsbehandlung erfolgt, beträgt das Risiko 8,9 Prozent, bei

 

alleiniger Östrogengabe 6,9 Prozent. Nach Beendigung der Hormongabe sinkt das Risiko rasch

 

auf das Niveau von Frauen, die keine Hormone substituiert hatten.



Quelle:

 

idw – Charité-Universitätsmedizin Berlin, 10. August 2005

Deutsches Ärzteblatt vom

 

9. August 2005