Kein erhöhtes Brustkrebsrisiko durch Hormone?
Schlagworte: HormontherapieLaut einer neuen Studie erhöht die Hormontherapie doch
nicht das Brustkrebsrisiko. Die Wissenschaftler um den Charité-Pathologen Professor Dr.
Manfred Dietel bezweifeln in einem wissenschaftlichen Aufsatz, dass Östrogene und Gestagene
tatsächlich Brustkrebs auslösen und widersprechen damit ausdrücklich früheren Großstudien
(2002 Women’s Health Initiative und 2003 Million Women Study), die einen klaren Zusammenhang
zwischen der Hormontherapie und der Entstehung von Mammakarzinomen ergeben hatten. “Die
Hormontherapie hat keinen Einfluss auf die primäre Neubildung von Brustkrebs”, bilanzierte
der Erstautor Manfred Dietel. “Die Daten lassen nur den Schluss zu, dass die Hormone das
Wachstum bereits vorhandener hormonsensitiver Brusttumoren stimulieren.” Im Kernpunkt der
methodenkritischen Betrachtung von Manfred Dietel und den Gesundheits-systemforschern
Michael Lewis und Samuel Shapiro stehen die Gesetzmäßigkeiten der Tumorbiologie. So steht
fest, dass die erste Tumorzelle nach ihrer Bildung einen Zeitraum von mindestens fünf, wenn
nicht gar zehn Jahre benötigt, um über Zellteilung auf eine Tumormasse von 0,5 bis einem
Zentimeter Durchmesser anzuwachsen. Ab dieser Größe können Brusttumoren bei der Mammographie
überhaupt erst entdeckt werden. Studien, die ein erhöhtes Krebsrisiko bei der Einnahme von
Hormonen feststellten, haben jedoch lediglich Untersuchungs-zeiträume zwischen einem und
sechs Jahren zugrunde gelegt. “Diese Zeiträume sind zu kurz, um tatsächlich Rückschlüsse auf
einen Zusammenhang zwischen der Neubildung eines Brusttumors und der Einnahme von Hormonen
ziehen zu können”, so Manfred Dietel.
Auch eine jüngste australische Studie
attestiert, dass eine Hormonsubstitution nach der Menopause das kumulative Risiko, an
Brustkrebs zu erkranken, nur gering erhöhe. Dies berichteten Nathan Coombs und Mitarbeiter
vom News South Wales Breast Cancer Institute, Sydney/Australien im British Medical Journal
(2005; 331: 347-9). In der Studie wurde ein kumulatives Brustkrebsrisiko bis zum 79.
Lebensjahr für eine 50-jährige Frau ohne Hormonsubstitution von 6,1 Prozent errechnet. Bei
einer fünf Jahre dauernden Östrogengabe erhöht sich das Risiko auf 6,3 Prozent, bei einer
Kombinationstherapie (Östrogen und Gestagen) auf 6,7 Prozent. Wenn ab dem 50. Lebensjahr 15
Jahre lang eine Kombinationsbehandlung erfolgt, beträgt das Risiko 8,9 Prozent, bei
alleiniger Östrogengabe 6,9 Prozent. Nach Beendigung der Hormongabe sinkt das Risiko rasch
auf das Niveau von Frauen, die keine Hormone substituiert hatten.
Quelle:
idw – Charité-Universitätsmedizin Berlin, 10. August 2005
Deutsches Ärzteblatt vom
9. August 2005


