Reichtum und Landleben schützen nicht
Schlagworte: AltersdemenzDie erste größere multizentrische Longitudinalstudie zu Demenzerkrankungen im Alter widerlegt drei weit verbreitete Ansichten: Demenzen sind bei Frauen keineswegs häufiger als bei Männern, die Inzidenz ist in wohlhabenden städtischen Regionen genau so hoch wie unter der ”einfachen” Landbevölkerung. Auch die von manchen Experten postulierte niedrigere Erkrankungsrate im hohen Alter ist nur eine Hoffnung von Gesundheitsplanern, wie in der Publikation in PLoS Medicine (2005; 2: e193) nachzulesen ist.
Die Studie ”Cognitive Function and Ageing Study” des britischen Medical Research Councils (MRC-CFA) wurde in zwei ländlichen und drei städtischen Regionen durchgeführt. Die Orte waren aufgrund des unterschiedlichen kardiovaskulären Risikos der Bevölkerung ausgesucht worden. In den ländlichen Regionen in Cambridgeshire (England) ist das kardiovaskuläre Risiko der Bevölkerung niedrig, in Gwynedd (Nord-Wales) dagegen hoch. Unterschiede gab es auch zwischen den Städten Oxford (niedriges Risiko), Nottingham (mittleres Risiko) und Newcastle (hohes Risiko).
In allen fünf Regionen ist die Demenz bei Menschen über 65 Jahren gleich häufig. Sie steigt mit dem Alter von 7,4/1.000 im Alter von 65 bis 69 Jahren zunächst langsam, dann aber immer steiler auf 84,9/1.000 in der Altersgruppe über 85 Jahre an, wobei es keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen, zwischen armer Landbevölkerung in Nordwales und der akademischen Elite in der Universitätsstadt Oxford zu geben scheint.
Insgesamt sind dies schlechte Nachrichten für die Gesundheitssysteme, denn die Zahl der über 80-Jährigen wird sich in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln. Das bedeutet, dass die Zahl der Pflegeeinrichtungen und die Belastung der Pflegeversicherungen steigen wird, wenn die Daten aus England und Wales auf deutsche Verhältnisse übertragbar sind, woran kaum zu zweifeln ist.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt vom 23.08.05


