„Vitale Erschöpfung“ hat keinen Einfluss
Schlagworte: KrebserkrankungenEine viel verbreitete Ansicht, dass eine Krebserkrankung die Folge einer Lebenskrise sei, die zu einer vitalen Erschöpfung geführt hat, ist vermutlich falsch. Eine erste prospektive Studie, die kürzlich publiziert wurde, gab keinen Hinweis dafür, dass allgemeiner Lebensverdruss zu einer Krebserkrankung führen kann.
Dauerhafte Übermüdung, Energieverlust, Reizbarkeit und allgemeine Demoralisierung umschreiben das Phänomen der „vitalen Erschöpfung“, das in der Vergangenheit auch mit kardialen Erkrankungen in Verbindung gebracht wurden. Deshalb beschäftigte sich die Copenhagen City Heart Study mit dieser Frage. Deren Teilnehmer wurden in den Jahren 1991 bis 1994 nach Symptomen der „vitalen Erschöpfung“ befragt. Die Ergebnisse konnte Christoffer Johansen von der Dänischen Krebsgesellschaft in Kopenhagen jetzt mit den Eintragungen des Dänischen Krebsregisters abgleichen.
In den ersten 8,6 Jahren nach der Befragung wurde bei 976 Teilnehmern eine Krebserkrankung diagnostiziert. Doch die „vital erschöpften“ Menschen waren in dieser Gruppe keineswegs überrepräsentiert. Im Gegenteil: Mit einer Hazard Ratio von 0,80 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,66-0,96) schienen Personen mit hohem Lebensverdruss sogar vor einer späteren Krebserkrankung geschützt. Auch die Rate der Tabak-assoziierten Krebserkrankungen war niedriger (Hazard Ratio 0,64; 0,46-0,90).
Quelle: Cancer (2005; 104: 1288-1295) – Deutsches Ärzteblatt


