BMI kein zuverlässiger Indikator für Herzkrankheiten
Schlagworte: Body-Mass-IndexDer Body Mass Index (BMI), allgemein als Maß für den Grad der Fettleibigkeit angewandt, sagt über Krankheitsfolgen bei Herzpatienten nichts Zuverlässiges vorher. Wie bekannt ist, gilt Fettleibigkeit als Risikofaktor für Herzerkrankungen. Inwieweit sich Übergewicht bei Personen mit bereits vorhandener Herzerkrankung auswirkt, ist jedoch strittig, da frühere Untersuchungen widersprüchliche Ergebnisse lieferten. Francisco Lopez-Jimenez und seine Kollegen vom College of Medicine der Mayo-Klinik im US-amerikanischen Rochester vereinigten die Daten von 40 Studien mit etwa 250.000 Herzkranken. Die Nachuntersuchungen der Patienten erfolgten nach durchschnittlich vier Jahren. Die meisten dieser Studien verwendeten den BMI als Maßstab für Fettleibigkeit. Wie die Forscher feststellten, hatten laut BMI Normalgewichtige im Vergleich zu untergewichtigen Patienten ein höheres Todesrisiko, übergewichtige Patienten dagegen bessere Überlebensraten und weniger Herzprobleme, und übergewichtige Patienten mit vorangegangener Bypass-Operation eine höhere Todesrate. Deutlich fettleibige Personen hatten ein höheres Todesrisiko aufgrund eines möglichen Herzversagens, jedoch nicht aus anderen Gründen.
Der bessere Verlauf bei übergewichtigen Personen könnte an ihrer im Vergleich zu Normalgewichtigen höheren Muskelmasse liegen, wie die Autoren erklären. Die Ergebnisse belegen die fehlende Unterscheidung von Körperfett und mageren Muskeln bei der Bewertung durch den BMI. In einem begleitenden Kommentar erklärt Maria Grazia Franzosi vom Mario-Negri-Institut im italienischen Mailand: “Der BMI hat als klinischer und epidemiologischer Maßstab für Herz-Kreislauf-Risiken definitiv ausgedient. Die Unsicherheit über den bestgeeigneten Index für Fettleibigkeit bedeutet aber nicht, dass vorbeugende Maßnahmen gegen gesundheitsgefährdend hohes Körpergewicht unterbleiben sollten.“
Quelle: Lancet 2006; 368: 666-678


