Bitterschokolade gegen Hypertonie?
Schlagworte: BlutdruckEin kleines Stückchen dunkler Schokolade, genau 6,3 Gramm am Tag, senkte in einer randomisierten kontrollierten Studie den Blutdruck bei milden Hypertonikern um 2,9/1,9 mmHg – ohne dass es dabei zur Gewichtszunahme oder zu nennenswerten Veränderungen im Lipidstoffwechsel kam.
Die Studie wurde an einer sorgfältig ausgesuchten Gruppe von Patienten durchgeführt. Die 44 Probanden hatten eine Prähypertonie (130/85-139/89 mmHg) oder eine Grad-1-Hypertonie (140/90-160/100 mmHg). Sie mussten bisher unbehandelt sein, durften kein starkes Übergewicht haben (BMI 27,5 oder darunter) und nicht unter Diabetes oder einer Fettstoffwechselstörung leiden. Sie durften nicht rauchen, sollten eigentlich kerngesund sein, keine besondere Vorliebe für Schokolade haben oder irgendwelche Supplemente einnehmen.
Da die Studie nicht doppelblind durchgeführt werden konnte, war nur den Untersuchenden unbekannt, ob die Probanden täglich dunkle oder weiße Schokolade einnahmen. Weiße Schokolade ist im Gegensatz zur dunklen Schokolade frei von Polyphenolen, einem Bestandteil der Kakaobutter. Diese Substanzgruppe, zu der auch die Flavanole zählen, wird eine präventive Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgesagt. Einige therapeutische Studien hatten in der Vergangenheit gezeigt, dass der reichliche Verzehr von Bitterschokolade den Blutdruck senkt. Doch angesichts der Adipositas-Verbreitung ist der Verzehr von einer Tafel Schokolade am Tag kaum ein sinnvoller Ratschlag.
Die Studien-Gruppe dosierte mit 6,3 Gramm wesentlich vorsichtiger. Dies entspricht einer Energiezufuhr von 30 Kilokalorien, was auch während der 18-wöchigen Therapie keinen Einfluss auf das Körpergewicht, noch auf die Lipidparameter hatte. Dagegen ließen sich im Plasma, wenn auch nur kurz nach dem Verzehr der Bitterschokolade, die Phenole nachweisen, die aber bereits nach 120 Minuten wieder abfielen. Längerfristig angestiegen waren dagegen die S-Nitrosoglutathione, eine vasodilatatorische Substanz, die nach Ansicht der Forscher die blutdrucksenkende Wirkung vermittelt. Um mit Antihypertensiva zu konkurrieren, müsste die Dosis allerdings gesteigert werden. Ob dann die Einnahme weiterhin noch frei von Risiken und Nebenwirkungen wäre, bliebe abzuwarten.
Quelle: JAMA 2007; 298: 49-60 – Deutsches Ärzteblatt online, 04.07.2007


