Rezepte der 100-Jährigen?
Schlagworte: Langes LebenEtwa ein Drittel der 100-Jährigen erreicht das hohe Alter trotz langjähriger chronischer Krankheiten. Aus Zwillingsstudien ist bekannt, dass nur 25 Prozent der Lebenserwartung genetisch bedingt sind. Nicht nur chronische Erkrankungen, sondern auch die damit verbundene Behinderung im Alltag spiele eine zentrale Rolle für ein langes Leben. Dazu wurden die Daten von 523 Frauen und 216 Männern im Alter von über 97 Jahren analysiert und die Alltagsfunktionen bzw. kognitiven Fähigkeiten mittels Barthel-Index (max. 100 Punkte) und „Blessed-Dementia-Skala“ erfasst. In einer anderen Studie untersuchten Wissenschaftler an 2.357 gesunden Teilnehmern (mittleres Alter 72 Jahre) der „Physicans’ Health Study“, welche modifizierbaren Faktoren mit einer Lebenserwartung von über 90 Jahren assoziiert sind. Während der Studienzeit (1981 – 2006) füllten die Teilnehmer regelmäßig Fragebögen zu Krankheiten, Risikofaktoren und Lebensstil aus. In der ersten Studie waren viele 100-Jährige trotz über 15 Jahre bestehender Erkrankungen wie chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, Demenz, Diabetes, Herzerkrankungen, Hypertonie, Parkinson oder Schlaganfall in der Lage, ihren Alltag selbstständig zu meistern. So hatten 60 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen, die bereits vor dem 85. Lebensjahr an altersbedingten Erkrankungen litten, einen Barthel-Index >90. Bei denjenigen, die erst nach dem 85. Lebensjahr erkrankten, waren es 50 Prozent bzw. 27 Prozent. Generell zeigen hochbetagte Männer bessere Alltagsfunktionen und kognitive Leistungen als Frauen. In der anderen Studie erwiesen sich Bewegung, Rauchen, Diabetes, Übergewicht und Hypertonie als lebenszeitrelevante Faktoren. Bewegung erhöhte die Wahrscheinlichkeit eines 70-Jährigen 90 Jahre alt zu werden um 56 Prozent, während Raucher, Diabetiker, Übergewichtige oder Hypertoniker das Alter nur zu 25, 28, 32 oder 42 Prozent erreichten. Kamen alle fünf Faktoren zusammen, sank die Chance auf vier Prozent.
Quelle: Arch. Intern Med 2008; 168: 277-283; Arch. Intern Med 2008; 168: 284-290 - Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133, Nr. 19


