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01.08.2008
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Fitness-Pille lässt Mäuse länger laufen

Schlagworte: Diabetes und Adipositas

 

Zwei Wirkstoffe, die US-Forscher an Mäusen getestet haben, versprechen sportliche Erfolge ohne Trainingsschweiß. Sie könnten aber auch für Menschen mit Typ-II-Diabetes mellitus oder Übergewicht interessant sein, wenn die Ergebnisse der tierexperimentellen Studie auf den Menschen übertragbar wären. Schon einmal sorgten die Wissenschaftler vom Salk Institut in San Diego für Schlagzeilen. Vor vier Jahren berichteten sie, wie Mäuse gentechnisch zu sportlichen Höchstleistungen gebracht werden können: Durch Aktivierung des Gens für den Rezeptor PPAR-delta wurde der Energiestoffwechsel so umgestellt, dass die Tiere auf dem Laufband die doppelte Strecke schafften. Die „Marathonmäuse“ hängten auch trainierte Tiere ab. Die Therapie setzte jedoch einen Eingriff ins Erbgut der Tiere voraus, der beim Menschen nicht reproduzierbar ist. Ein Gendoping dieser Art war deshalb nicht zu befürchten. Jetzt sind die Forscher jedoch auf zwei Wirkstoffe gestoßen, die den gleichen Effekt haben wie die Genmanipulation. AICAR und GW1516 wirken als Agonisten am Rezeptor PPAR-delta. Tiere die mit AICAR behandelt wurden, verbesserten ihre Laufleistung um 44 Prozent, ohne auch nur eine einzige Trainingseinheit absolviert zu haben. Bei GW1516 wurde sogar eine Steigerung um 77 Prozent erreicht – allerdings nur, wenn die Tiere gleichzeitig trainiert wurden. Unter der Therapie kam es zu einer Zunahme der Typ-I-Muskelfasern, die besonders reichhaltig an Mitochondrien sind und deshalb nicht so schnell ermüden wie die Typ-II-Fasern, die bei Menschen mit einem bewegungsarmen Lebensstil überwiegen. Beide Substanzen sind zwar nicht zugelassen, sie sind jedoch im Prinzip erhältlich, weshalb die Forscher auch gleich einen Nachweistest für ein eventuelles Doping entwickelt haben. Die Mittel könnten durchaus von medizinischem Interesse sein. Schon bei den „Marathonmäusen“ hatten sich günstige physiologische Auswirkungen gezeigt. Die Mäuse hatten eine angeborene Resistenz gegen eine Gewichtszunahme, selbst wenn sie mit einer fettreichen Diät ernährt wurden. Auch die Auswirkungen auf den Blutzucker waren günstig. Sie wirkten deshalb genau den Auswirkungen eines bewegungsarmen Lebensstils mit kaloriendichter Ernährung entgegen, der als eine wesentliche Ursache des Typ-II-Diabetes mellitus gilt. Die Forscher hofften deshalb, dass die Substanzen eine medizinische Anwendung finden könnten.

 

Quelle: Am J Lung Cell Mol Physiol. 2008; 294: L1238-49 – www.aerzteblatt.de